Krankheit und Ungewissheit

Wir schreiben den 23.02.2017. Vor 7.214 Tagen, also fast 20 Jahren, konnte ich, mit meiner Nabelschnur mehrfach um den Hals gewickelt, nur durch einen Kaiserschnitt das Licht dieser Welt erblicken. 

Seitdem gab es eigentlich kaum ein Jahr, in dem ich zu 100% gesund war. Kurz nach meiner Geburt musste man mir die Mandeln sehr schnell entfernen, da ich drohte, im Schlaf zu ersticken. Danach kamen unzählige Mittelohrentzündungen und diese üblichen Krankheiten, die der 08/15-Mensch vielleicht alle zwei Jahre, oder mit Pech jährlich mal hat, nur mehrfach pro Jahr. Dann kamen irgendwann chronische Kopfschmerzen mit sehr vielen Krankenhausaufenthalten, welche auf die Psyche und Mobbing in der Schule zurückzuführen waren. Ein Knochenbruch hier, ein Knochenbruch da… Eine vier Wochen lang verschleppte Lungenentzündung, weil der Arzt sie nicht erkannt hat, wo die Antibiotika nur knapp anschlugen. Dann eine Tachyarrhythmie, dann ein fast lebensbedrohlicher Ausschlag und dann direkt noch eine Tachyarrhythmie, die man mit einem Defibrillator behandeln konnte.

Und das waren nur die wichtigsten erkrankungen, an die ich mich gerade erinnern kann.

Ich habe ein Krankenhaus bzw. eine Arztpraxis gefühlt öfter von innen gesehen, als meine damaligen Schulen. Meine Krankenakte ist mit 19 dicker als die eines 80jährigen. Aber trotzdem habe ich über all die Jahre nie den Mut verloren, doch mal ein Jahr am Stück gesund zu sein.

Nun begleiten mich seit langem leichte bis mittelstarke Rückenschmerzen, die ich bis jetzt immer auf eine Verspannung zurückgeführt habe. Nur leider wurden diese seit Oktober letzten Jahres mit jeder Woche und bald sogar mit jedem Tag schlimmer. Am Anfang konnte man all das noch ignorieren, aber irgendwann ging das nicht mehr und dann bin ich halt zum Arzt. Der meinte, das seien einfach starke Verspannungen und schickte mich zur Krankengymnastik. Da die Schmerzen sich dann aber täglich auf unvorstellbare Maße steigerten, sodass ich bald keine Tür mehr vor Schmerz öffnen konnte, ging ich dann halt nochmal zum Arzt.

Dieser stellte Verdacht auf Spondylodiszitis, was im Prinzip eine Entzündung der Wirbelsäule ist. Zum Glück konnte man zu 95%ier Sicherheit sagen, dass es das nicht ist und diagnostizierte eine Bronchitis. Die Rückenschmerzen erklärte man sich dann als simple Gliederschmerzen.

Da die Schmerzen jetzt, zwei Wochen später, immer noch da sind, schilderte ich meinem Arzt mal sämtliche anderen Symptome neben der Schmerzen. Dieser stellte dann so viele Differentialdiagnosen, dass ich sie gar nicht alle bei mir behalten konnte.

Alleine die Vermutung, dass es eine Autoimmunerkrankung wie ALS oder MS sein könnte, ist eine hohe Belastung. Wenn noch dazu kommt, dass dir deine Lehrer oder auch teilweise Familienmitglieder langsam nicht mehr glauben, dass du krank bist, oder Schmerzen hast, ist das nochmal eine größere Belastung. Als wäre man nicht ganz dicht im Kopf, oder als würde man sich das alles nur einbilden.

Das aber mit abstand am belastendsten an der ganzen Sache sind nicht die Puren Schmerzen, die so unerträglich sind, dass man das Bett gar nicht mehr verlassen möchte und kann und eigentlich vor erschöpfung dauerhaft am Schlafen ist. Auch nicht die Starken Schmerzmittel, die den Schmerz nur erträglich machen und nicht verschwinden lassen. Nein. Am schlimmsten ist die Ungewissheit der Schmerzen und sämtliche Möglichkeiten, die man sich ausmalt, wenn man nachts vor Schmerz schlaflos ist.

Was ist, wenn die Schmerzen nicht weggehen?

Was ist, wenn ich nie wieder ein so unbeschwertes Leben führen kann, wie früher?

Was ist, wenn ich irgendwann vor Schmerz dauerhaft nicht mehr laufen kann?

Solche Fragen sind es, die den ganzen Schmerz erst schlimm machen.

Ich werde hier in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten genaueres zu meinen Untersuchungen Posten und hoffe, dass das eventuell eine Unterstützung für die ist, die ähnliches durchleben müssen.

Aber am wichtigsten ist natürlich, immer versuchen, positiv zu bleiben und niemals den Mut zu verlieren, weiterzukämpfen.

 

Liebe Grüße,
Levin.